• Puffer

    Der Wagen vor dir bremst plötzlich. Zu spät.

    Nicht weil die Bremsen versagt haben. Nicht weil du abgelenkt warst. Sondern weil kein Raum war. Kein Puffer zwischen Idealzustand und dem Unerwarteten.

    Systeme werden für optimale Bedingungen geplant. Jeder Termin passt perfekt. Jede Aufgabe dauert genau so lange wie gedacht. Jedes Budget stimmt auf den Cent.

    Bis es das nicht mehr tut.

    Das Problem ist nicht, dass etwas schiefgeht. Das Problem ist, dass wir so tun, als würde nichts schiefgehen.

    Ein Projekt dauert länger. Eine Krankheit kommt dazwischen. Die Kosten explodieren. Plötzlich wird es zur Krise.

    Puffer geben uns Raum zum Atmen. Raum zu reagieren. Raum, damit nicht jedes unerwartete Ereignis zum Notfall wird, der all unsere Energie verschlingt.

    Die guten Zeiten sind nicht dazu da, jeden Zentimeter auszureizen. Sie sind dazu da, Spielraum für die schlechten Zeiten zu schaffen.

  • Den Nagel auf den Kopf treffen

    Nicht fortwährend alle Hebel in Bewegung zu setzen, hat nichts mit Faulheit zu tun.

    Die richtigen Worte zu finden, den richtigen Ton oder den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf zu treffen:

    Alles das ist Folge der Ruhe, die uns erlaubt, das Innere zu ordnen.

  • Das konstruktive Ohr

    Für jede Notlage gibt es eine Geschichte des Kämpfens.

    Für jeden Rückschlag eine Geschichte des Durchhaltens.

    Für jedes Unglück eine Geschichte des Überlebens.

    Wenn wir sorgfältig hinhören, können wir mithelfen, diese (noch nicht ausgesprochenen) Geschichten zu ergründen.

  • Neu-Einstimmen

    Wer mit seiner Gitarre reist, stellt schnell fest, wie selbst kleine Klimaveränderungen die Stimmung beeinflussen.

    Wer älter wird oder sich verletzt, will vielleicht nicht sehen, dass man die Dinge nicht mehr so machen können wie zuvor.

    Wer Vater/Mutter wird, kann wahrscheinlich nicht den Lebensstil bewahren, den er/sie vorher hatte.

    Keine dieser Veränderungen ist eine Niederlage.

    Die Dinge ändern sich.

    Wir verändern uns.

    Doch ohne Neu-Einstimmen (Rekalibrieren, Anpassen, …) sind harmonische Klänge unwahrscheinlich.

  • Zwei Arten des Nichtstuns

    Wir füllen unsere Auszeiten.

    Mit Reisen. Mit Projekten. Mit all dem, was wir aufschieben mussten.

    „Was hast du gemacht im Urlaub?”

    Die Frage verrät alles.

    Pause bedeutet: etwas anderes tun. Von der Pflicht zu den Wünschen wechseln. Vom Müssen zum Wollen.

    Aber ist das wirklich eine Pause?

    Es gibt zwei Wege.

    Der erste: Auszeiten als Wartung. Erholen, um danach wieder zu funktionieren. Batterien aufladen. Und das ist sicherlich nötig.

    Der zweite: Auszeiten als Kompass. Innehalten, um zu spüren, was wichtig ist. Was richtig ist.

    Für den zweiten Weg brauchen keinen Input. Keine Strategien. Keine Einsichten.

    Wir müssen in Kontakt mit uns selbst kommen.

    Aber wer sich ständig von außen berieseln lässt, gibt inneren Impulsen keine Chance. Und nur was wir zulassen, kann klar werden. Nur was klar wird, kann uns Orientierung bieten.

    Wer seine Auszeiten immer füllt, dem droht die innere Leere.

    Selbst Unterhaltsames wird schal.

    Das Innenleben hingegen ist manchmal schwer auszuhalten. Aber immer lebendig.

    Wenn wir ihm die Chance geben.

  • Beweggründe

    Manchmal machen wir uns auf den Weg, um etwas zu erreichen. Die Lust, weiter zu kommen.

    Manchmal machen wir uns auf den Weg, um nicht abgehängt zu werden. Die Angst, zu verlieren, was war.

    Manchmal machen wir uns auf den Weg, um noch einmal zu sehen, wo wir schon waren. Die Freude daran, wer wir sind.

  • Kompliziert ist nicht komplex

    Eine Uhr ist kompliziert.

    Kleinste Zahnräder greifen ineinander. Aber wenn wir verstehen, wie sie funktioniert, können wir sie auseinandernehmen und wieder zusammensetzen. Immer wieder.

    Mit dem gleichen Ergebnis.

    Ein Wald ist komplex.

    Du kannst jeden Baum, jeden Pilz, jedes Insekt kennen – und trotzdem nicht vorhersagen, was passiert, wenn du einen Baum fällst. Das System reagiert. Es passt sich an. Es lebt.

    Und überrascht uns damit.

    Die meisten Menschen behandeln komplexe Themen wie komplizierte.
    Sie zerlegen. Sie analysieren. Sie suchen die Ursache. Sie erstellen detaillierte Pläne. Und dann sind sie verwundert, wenn es nicht funktioniert.

    Komplizierte Probleme löst man mit Expertise und Methodik.

    Komplexe Probleme navigiert man durch Experimente und Anpassung.

    Die Sache ist: In fast jeder Situation, die Menschen, Arbeit, Gesundheit betrifft, finden wir kompliziertes und komplexes.

    Der Trick ist zu erkennen, womit wir es zu tun haben.

  • Was wir meinen, ist nicht was ankommt

    Wir wollen unseren Kindern helfen, selbstständig zu werden. Also erledigen und unterstützen wir sie bei allem – vom Pausenbrot bis zur Hausaufgaben-Erinnerung.

    Und dann wundern wir uns wenn sie denken: „Ohne Mama/Papa geht gar nichts.

    Wir wollen unseren Kolleginnen zeigen, wie etwas geht. Also zeigen wir es ganz genau.

    Und dann wundern wir uns, wenn wir beim nächsten Mal wieder gefragt werden.

    Wir wollen unsere Patienten vor Rückschlägen bewahren. Also stellen wir die Anforderungen ganz niedrig, „damit sie Erfolgserlebnisse haben“.

    Und dann wundern wir uns, wenn sie sich selbst nichts mehr zutrauen.

    Nicht, dass so es genauso kommen muss. Aber wahrscheinlich haben Sie eine ähnliche Erfahrung gemacht. Gute Absichten. Nicht erwartete Wirkungen.

    Und wir legitimieren unser Handeln durch unsere Absichten statt auf die tatsächliche Wirkung zu schauen.

    „Ich hab’s doch nur gut gemeint!“

    Das Problem: Im Alltag setzen wir Absicht mit Wirkung gleich. Wir denken, gute Absichten garantieren gute Ergebnisse.

    Tun sie nicht.

    Die systemische Perspektive lehrt uns: Beobachten, was wirklich passiert. Nicht, was wir uns erhoffen. Von außen betrachtet zeigt sich oft, dass unsere „Lösungsversuche“ genau das Problem am Leben erhalten.

    Die gute Nachricht: Wir müssen unsere Absichten nicht ändern. Nur unser Verhalten.

  • Wer zuhört führt

    Viele glauben immer noch: Der Redner trägt die Verantwortung. Er sendet die Botschaft. Der Zuhörer empfängt sie einfach nur.

    Dabei ist längst gut erforscht: Während wir zuhören, formen wir aktiv mit, was die andere Person sagt. Unsere Reaktionen, unser Nicken, Schweigen – all das beeinflusst die nächsten Worte unseres Gegenübers.

    Wir sind nicht passiv. Wir sind Mitgestalter.
    Das ändert alles.

    Plötzlich können wir nicht mehr sagen: „Er hat die ganze Zeit nur Probleme gewälzt.“

    Stattdessen müssen wir uns fragen: „Wie habe ich durch mein Zuhören dazu beigetragen?“

    Die unbequeme Wahrheit: Auch wenn wir schweigen, gestalten wir das Gespräch mit.

    Die gute Nachricht:

    Diese Verantwortung können wir auch nutzen.

  • Offensichtlich vs vielleicht

    Wenn etwas „offensichtlich“ ist, gibt es nichts mehr zu fragen. Die Sache ist klar. Wir wissen Bescheid. Es wird Zeit zu handeln.

    Ein „Vielleicht“ lädt ein. Es schafft Raum für andere Sichtweisen, andere Möglichkeiten.

    „Offensichtlich“ beendet das Gespräch.

    „Vielleicht“ beginnt es.