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Urteile verraten den Richter

„Das war gut.”

„Das war schlecht.”

„Das ist professionell.”

„Das ist laienhaft.”

Klingt nach Fakten. Sind aber keine.

Bewertungen beschreiben nicht die Welt. Sie beschreiben den Standpunkt dessen, der schaut.

Der Konstruktivismus ist da ziemlich unhöflich: Es gibt keine Beobachtung ohne Beobachter. Kein Urteil ohne Brille. Kein „objektiv schlecht” – nur: schlecht aus welcher Perspektive, für welchen Zweck, nach welchem Maßstab?

Trotzdem fühlen sich Bewertungen so sicher an. So wahr.

Warum?

Weil sie meistens gar nicht über Qualität sprechen. Sie sprechen über Status. Wer bewertet, steht oben. Wer bewertet wird, steht unten. Das ist das eigentliche Spiel.

In Institutionen, Praxen, Supervisionen, Schulen – überall. Die Bewertung ist das Werkzeug, mit dem Hierarchie unsichtbar gemacht wird. Sie klingt sachlich. Sie ist es nicht.

Das Interessante: Wir alle machen mit. Wir suchen gute Bewertungen. Wir fürchten schlechte. Wir bewerten andere, um uns selbst zu verorten.

Ein systemischer Gedanke dazu: Jedes Verhalten ergibt Sinn – im richtigen Kontext betrachtet. Auch das, was auf den ersten Blick „falsch” aussieht.

Was wäre, wenn wir weniger fragen würden: Ist das gut oder schlecht?

Und mehr: Was versucht das System hier zu lösen?

Das ist keine Einladung zur Beliebigkeit.

Es ist eine Einladung zur Neugier.

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