Wir behandeln Sprache, als wäre sie neutral.
Als würden wir mit Worten lediglich beschreiben, was ohnehin da ist.
Die Welt existiert, und wir reden darüber.
Wittgenstein dachte anders: Worte sind Taten.
Wenn du jemandem sagst: »Ich vertraue dir«, beschreibst du kein Gefühl. Du vollziehst eine Handlung. Du schaffst eine Wirklichkeit, die vorher so nicht existierte.
Wenn du fragst »Was können wir tun?«, beschreibst du keine Situation. Du öffnest einen Raum. Einen Raum, in dem Handeln möglich wird.
Wenn du sagst »Das Problem ist unlösbar«, berichtest du nicht über Fakten. Du erschaffst Unmöglichkeit.
Wir glauben, dass wir erst die Wirklichkeit erkennen und dann darüber sprechen.
Tatsächlich erschaffen wir durch unser Sprechen die Wirklichkeit, in der wir leben.
Das ist keine Philosophie. Das ist Praxis.
Jedes Wort, das du wählst, verändert, was möglich ist. Jede Frage, die du stellst, öffnet oder schließt Türen. Jeder Satz formt das, was danach geschehen kann.
Wenn Worte Taten sind, dann ist jedes Gespräch eine Intervention.
Dann ist die Frage nicht: »Worüber reden wir?«
Sondern: »Was tun wir gerade – mit unseren Worten?«
